Duisburger Polizei – weiterhin auf dem rechten Auge blind?

Anfang September 2017 brannte in der Vohwinkelstraße im Duisburger Stadtteil Untermeiderich ein Mehrfamilienhaus vollständig aus. 4 Menschen kamen hierbei ums Leben, mehrere wurden schwer verletzt. Mittlerweile geht die Polizei Duisburg von vorsätzlicher Brandstiftung aus und hat Ende 2017 ein Belohnung von 3.000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgelegt. Verdächtige oder ein Tatmotiv hat die Polizei noch nicht bekanntgegeben.

Da das Haus ausschließlich von Migrant*innen bewohnt wurde und wir in Deutschland eine lange Geschichte rechtsterroristischer Anschläge mit zunehmender Häufigkeit in den letzten Jahren haben, müssen wir leider auch hierbei einen rassistischen Tathintergrund in Betracht ziehen.

Dies gilt auch für den Mord an einer migrantischen Gaststättenbetreiberin im Duisburger Innenhafen im Mai letzten Jahres. Bis heute gibt es keine Ermittlungsergebnisse, wie die WAZ kürzlich schrieb. Die Initiative NSU-WatchNRW äußerte sich wie folgt: „Jeder Mord an möglicherweise von Rassismus betroffenen Personen ist für uns ein rassistischer Mord, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist“.

Duisburg hat seit langem ein rassistisches und gewalttäiges Potential. 2015 kam es zu einem Prozess gegen Mitglieder der Neonazigruppe “Legion47”. Sie sollen einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Duisburg-Huckingen im Jahr 2013 verübt haben. Zahlreiche Indizien sprachen zwar dafür, doch wurden sie in diesem Anklagepunkt freigesprochen, weil ihnen, vor allem aufgrund schlampiger Polizeiarbeit, diese Tat nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Bei den Angeklagten wurden 600 Patronen scharfer Munition, scharfe Waffen und funktionsfähige selbstgebaute Schussapparate sowie ein Chemielabor, illegale Pyrotechnik, Totschläger, Gaspistolen und Schlagstöcke sichergestellt. Auch der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) oder Personen aus seinem Umfeld könnten möglicherweise in Duisburg Meiderich aktiv gewesen sein. In den Trümmern ihres letzten Wohnsitzes fand man eine Selbstschussanlage ähnlich des Apparates, mit dem am 15. Dezember 2003 in Duisburg-Meiderich ein Gaststättenbetreiber schwer verletzt wurde. Im Laufe des NSU-Prozess wurden immer wieder auf potentielle lokale Unterstützer des Netzwerks verwiesen.

Wir sprechen allen Betroffenen und Angehörigen unsere Solidarität aus.
Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Fälle in Meiderich und im Innehafen. Einem möglichen rassistischen Tatmotiv muss dringend nachgegangen werden!

Aktions- und Infotresen: Für ein Recht auf Stadt – gegen Zwangsräumungen und Verdrängung!

26. Januar 2018 | ab 19 Uhr | SYNTOPIA (Gerokstr. 2, 47053 Duisburg)

„Für ein Recht auf Stadt – gegen Zwangsräumungen und Verdrängung!“
Diskussionsveranstaltung mit Aktivist*innen der Initiative Marxloher Nachbar*innen

Seit Jahren ist es in Duisburg Alltag, dass Menschen innerhalb von wenigen Stunden durch das Ordnungsamt aus ihren Wohnungen geworfen werden. Viele stehen danach buchstäblich mit Sack und Pack auf der Straße. Die Stadt nutzt meistens den Brandschutz als Grund für diese überstürzten Räumungen, da angeblich eine „Gefahr für Leib und Leben“ bestehen würde. Doch die beanstandeten Mängel – z.B. fehlende Rauchmelder, nicht rauchdicht schließende Wohnungstüren und Gerümpel im Keller – finden sich in fast jeden Haus im Duisburger Norden (und nicht nur dort). Die städtische „Taskforce“, die in Art und Weise eines Rollkommandos über die Bewohner*innen herfällt, tritt allerdings immer nur in Häusern auf, die von Menschen der untersten sozialen Schicht bewohnt werden – meistens EU-Bürger*innen aus Süd-Osteuropa. Nun haben sich erstmals von solchen Zwangsräumungen betroffene Bürger*innen in einer Nachbarschaftsinitiative zusammengeschlossen. Unterstützt werden sie dabei auch von einigen Menschen mit deutschen Pass, die als Nachbar*innen, politische Linke oder Sozialarbeiter*innen die Menschen dabei unterstützen für ihre Zukunft im Duisburger Norden zu kämpfen.
Keinesfalls will die Initiative sich dabei auf klassische Sozialarbeit beschränken, daher hat sie sich drei Arbeitsfelder gegeben: Solidarität organisieren, Rechtshilfe vermitteln und politischen Druck erzeugen. Am 26. Januar wollen wir die Initiative im Syntopia vorstellen und gemeinsam diskutieren, wie wir gegen die Verdrängung von Menschen aus den untersten sozialen Schichten aus unserer Stadt gemeinsam vorgehen können.
Kämpfen wir gemeinsam für ein Recht auf Stadt!


Eine Übersicht unserer zukünftigen und vergangenen Veranstaltungen findet ihr auf der Unterseite Aktions- und Infotresen.

Gegen den Rechtsruck und die Normalisierung einer extrem rechten Ideologie!

In Österreich ist der Rechtsruck perfekt. Die konservative ÖVP und die tief in der extremen Rechten verwurzelte FPÖ haben sich auf eine Regierungsbildung geeinigt. Kernpunkte der Zusammenarbeit seien eine “Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich”, ein verschärfter “Anti-Migrationskurs” und die innere Sicherheit. Was mit ersterem gemeint ist, darauf gibt die Einführung des 12-Stundentages einen Hinweis: eine knallhart neoliberale Politik des Sozialabbaus, gehüllt in ein völkisches Gewand. Das Hauen und Stechen der kapitalistischen Konkurrenz versucht die FPÖ auf einen Kampf „innen“ gegen „außen“ umzumünzen und so kapitalistisch verursachte Probleme rassistisch zu lösen. Schutzsuchende Menschen werden hierfür als Bedrohung inszeniert, um einen sicherheitspolitischen Überwachungsstaat zu rechtfertigen, in dem der Ausnahmezustand permanent herrscht. Kein Mensch sollte sich Illusionen machen, was da an rassistischem, völkischem Backlash auf Österreich und Europa zurollt. Die Rassist*innen der FPÖ haben das Innenministerium und das Verteidigungsministerium erhalten: alle Soldant*innen, Polizist*innen, Geheimdienst-Mitarbeitende erhalten von nun an ihre Befehle von extremen Rechten. In diesen düsteren Zeiten ist es umso wichtiger, solidarisch zu sein mit den marginalisierten, ausgegrenzten und von Diskriminierung und Repression betroffenen Menschen. Es ist wichtig, sich an die Seite derer zu stellen, die sich dem Rechtsruck widersetzen, sich antifaschistisch engagieren und die Normalisierung einer extrem rechten Ideologie bekämpfen.

Nazis bleiben Nazis – auch wenn sie in die Regierung gewählt werden!
Gegen die Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ!
Für die befreite, solidarische Gesellschaft, ohne Konkurrenz, Ausbeutung und Ideologien der Ungleichheit!

Aktions- und Infotresen: Anti-Abendland-Party 2.0!

22. Dezember 2017 | ab 19 Uhr | SYNTOPIA (Gerokstr. 2, 47053 Duisburg)

FEST DER LIEBE – Im Dezember machen wir die Alpträume der Idenditären Bewegung wahr – bei uns geht kurz vor “Heiligabend” das Abendland unter. Zelebriert mit uns statt des Weihnachtsfestes unseren zweiten Geburtstag bei einem Teller Hummus und anderen Köstlichkeiten! Euch erwartet ein erfrischender Mix von Chiapas bis Vladivostok und viele andere Überraschungen – und wie es sich gehört gibt es auch Geschenke!

Warum eine Party gegen das “Abendland”?
Nach 1945 war der positive Bezug auf die „Volksgemeinschaft“ politisch und gesellschaftlich überwiegend in Verruf geraten. Der Bezug zum „Abendland“ hingehen erzielte besonders in der Hochphase des Kalten Krieges in den 1950er Jahren sowie nach der Jahrtausendwende im Kontext eines zunehmenden antimuslimischen Rassismus’ in Deutschland und in Europa erstaunlichen Zuspruch. Dieser reicht auch heute bis weit in die „Mitte der Gesellschaft“. Das autoritäre Vergemeinschaftungskonzept des „Abendlandes“ konnte so erfolgreich sein, weil es einerseits auf einer jahrhundertelangen Tradition des Abendlandbegriffs beruht und anderseits weil dieser Begriff trotzdem inhaltlich schwammig bleibt. Stets repräsentiert er jedoch einen Gegenentwurf zu demokratischen, emanzipatorischen, pluralistischen Positionen.


Eine Übersicht unserer zukünftigen und vergangenen Veranstaltungen findet ihr auf der Unterseite Aktions- und Infotresen.

Aktions- und Infotresen: Computerkommunismus als konkrete Utopie. Vortrag und Diskussion mit ADH

24. November 2017 | ab 19 Uhr | SYNTOPIA (Gerokstr. 2, 47053 Duisburg)

Die radikale Linke tut sich seit geraumer Zeit damit schwer der kapitalistischen Realität eine konkrete Utopie entgegenzustellen. Die gewünschte Gesellschaft wird dabei meist beschrieben als eine ohne Ausbeutung, Unterdrückung, Rassismus, Sexismus und so weiter. Ein positiver Gesellschaftsentwurf fehlt hingegen häufig. Neue Formen des Zusammenlebens beschränken sich auf kleinere, begrenzte Orte wie linke Zentren, alternative Hausprojekte oder Kollektiv-Bauernhöfe. Eine gesamtgesellschaftliche Alternative ist theoretisch schwach entwickelt. Die Gruppe ADH (Association début d’histoire) aus Düsseldorf hat sich vorgenommen diesem Trend entgegenzuwirken und einen theoretischen Entwurf für die Funktionsweise einer kommunistischen Politik und Wirtschaft zu erarbeiten. Ein zentraler Aspekt dieser Überlegungen sind die Möglichkeiten moderner Technik für die kommunistische Gesellschaft wie etwa die Rechenleistung heutiger Computer zur Erstellung des gesamtwirtschaftlichen Produktionsplans.


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Aktions- und Infotresen: Feministische Perspektiven auf Pazifismus, Militanz und Täterumgang. Vortrag und Diskussion mit about:fem

27. Oktober 2017 | ab 19 Uhr | SYNTOPIA (Gerokstr. 2, 47053 Duisburg)

Strategiedebatten um Militanz vs. Pazifismus werden in aktivistischen Kreisen seit Jahrzehnten geführt. Wir möchten feministische Kritik an beiden vorstellen. Dabei wird es unter anderem darum gehen, wie Pazifismus als Ideologie dazu dient, Patriarchat, Staat und Rassismus / weiße Vorherrschaft zu erhalten, aber auch um Kritik an der Handlungsweise militanter Bewegungen. Lasst uns gemeinsam diskutieren, wie sich emanzipatorische Inhalte und wirksame Praxis verbinden lassen. Dabei soll schwerpunktweise auf das stets aktuelle Thema Umgang mit Tätern sexualisierter Gewalt eingegangen werden.


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Solidarität mit den Besetzer*innen des Straußhauses!

Die Antirassistische Intervention Duisburg erklärt sich solidarisch mit den Besetzer*innen der Straußstraße 21 in Duisburg Neudorf. Wir unterstützen den Aufruf nach einem Erhalt der Siedlung im Sinne der Bewohner*innen und sind ebenfalls der Meinung, dass Duisburg dringend mehr Freiräume und ein soziokulturelles Zentrum braucht, anstatt ein vermeintliches städtebauliches Leuchtturmprojekt nach dem anderen in den Sand zu setzen.
Räumung des besetzten Strauß-Haus in Duisburg Neudorf

Besonders unterstützen wir auch die Forderung nach würdigem Wohnraum für geflüchtete und rassistisch diskriminierte Menschen in Duisburg. Wir denken dabei an die Geflüchteten, die in Containern und Traglufthallen eingesperrt werden. Traglufthallen, die im Sommer von der Feuerwehr gekühlt werden mussten, da unerträglich heiße Temperaturen herrschten, Traglufthallen, die im bald kommenden Winter empfindlich kalt werden. Und die Wohnungen in der Straußensiedlung und andernorts in Duisburg ließen sich mit geringem Aufwand und mäßigen Kosten für diese Menschen nutzbar machen, bestünde der politische Wille. Ob dieser allerdings gegeben ist, ist fraglich. Viel zu sehr lassen sich alle vom häßlichen Gespenst des rassistischen “Volkszorns” treiben, als dass endlich damit begonnen würde die Menschen als gleichwertigern Teil der Gesellschaft zu begreifen und dafür zu sorgen, dass sie sich hier willkommen fühlen. Dies würde eben auch Abschiebestopps in vorgeblich “sichere Herkunftsländer” wie Afghanistan, eine Ausweitung des Familiennachzugs und eben auch die dezentrale Unterbringung außerhalb stigmatisierender und erniedrigender Lagerhaftverhältnisse bedeuten.
Wir denken aber auch an die Menschen, die in Stadtteilen wie Hochfeld und Marxloh von skrupellosen Vermieter*innen augenutzt werden, in ähnlich beengten und unhygiensichen Verhältnissen gezwungen sind zu leben und die am Ende, anstatt Schutz und Würde zugesichert zu bekommen, rassistisch diskriminiert, stigmatisiert und für die unverschuldeten Wohnsituation betraft werden. Ganze Familien, die einfach auf die Straße gesetzt werden, ohne Perspektive, ohne Hilfe und mit offenem Hass der bürgerlichen Mitte und der Institutionen konfrontiert, der sich in Aussagen wie Sören Links “Syrer statt Osteuropäer”-Entgleisung zeigt. Und während die Stadt sich damit brüstet, die “Schrottimmobilien” zu räumen um sie zu sanieren oder abzureissen, um angeblich die Mieter*innen zu “schützen”, werden de facto die Betroffenen bestraft und verjagt. Die Häuser werden übrigens nicht etwa im Sinne des Allgemeinwohls beschlagnahmt oder ähnliches, sie werden von der GEBAG aufgekauft. Der Schutz des Privateigentums ist im Kapiatlismus nunmal heiliger als der Schutz der Menschenwürde.
Umso wichtiger ist unsere Meinung nach, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen! Wir freuen uns, dass die Besetzer*innen ein starkes Zeichen für eine Stadt von Unten gesetzt haben. Für eine Stadt, in der alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihres Glaubens, ihres Geschlechts, Genders oder sexueller Orientierung einen Raum finden, der es ihnen ermöglicht ein würdiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Für mehr besetze Häuser, für mehr Freiräume, für ein Recht auf Stadt und für grenzenlose Solidarität!

Spendenaufruf – Unsere Solidarität gegen ihre Repression!

Unser Freund und Genosse Dirk saß fast zwei Wochen in Hamburg in Untersuchungshaft, er wurde während der NoG20 Proteste willkürlich verhaftet. Für seine Unterstützung sammelt die Rote Hilfe Ortsgruppe Duisburg Spenden. Mit dem Geld wird versucht, die laufenden Kosten und die auf Dirk und andere zukommenden Gerichts- und Anwaltskosten aufzufangen. Niemand steht alleine da, wir sind solidarisch mit Dirk und allen anderen Menschen, die von der staatlichen Repression getroffenen wurden!

Konto: Rote Hilfe Duisburg
IBAN: DE02 4306 0967 4007 2383 98
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Free Dirk / G20

Schon vor Beginn der NoG20-Proteste hat die Polizei bewusst die Eskalation vorangetrieben, das Versammlungsrecht ausgehebelt und die Menschenrechte mit Füßen getreten. Durch weiträumige Demonstrationsverbote, Hausdurchsuchungen bei Aktivist*innen, Outing-Aktionen durch den Verfassungsschutz, Einreiseverbote und einer erdrückenden Drohkulisse der Polizei sollten so viele Menschen wie möglich davon abgehalten werden, ihr Recht wahrzunehmen und gegen den G20-Gipfel zu demonstrieren.

Da dies nur begrenzt funktionierte, fuhr die Polizei während des Gipfels ein gigantisches Waffenarsenal auf und setze es äußerst brutal und repressiv ein. Unzählige Fälle von Polizeigewalt sind dokumentiert (siehe z.B. https://g20-doku.org/), nicht nur gegen Demonstrant*innen, auch gegen Unbeteiligte, Anwohner*innen und Pressevertreter*innen. Auch Anwält*innen und Sanitäter*innen wurden bedroht und an ihrer Arbeit gehindert. Selbst ein SEK mit scharfen, “freigegebenen Schusswaffen” wurde eingesetzt, als die Polizei die von ihr selbst angefachte, legitime Wut auf den Straßen nicht mehr kontrollieren konnte.

Während viele Betroffenen von den marodierenden Polizeibanden an Ort und Stelle verprügelt wurden, sind andere festgenommen und in die – eigens gebaute – Gefangenensammelstelle (Gesa) gebracht worden. Dort gingen die Grundrechtsverletzungen, Schikanen und Misshandlungen nahtlos weiter, wie z.B. der anwaltliche Notdienst des Republikanisches Anwältinnen- und Anwältevereins e.V. dokumentierte. Die Gefangenen wurden zum Teil erniedrigt, bekamen nichts zu Essen, ihnen wurde ärtzliche Untersuchungen und anwaltlicher Beistand verweigert, sie durften nicht auf Toilette und wurden mit Schlafentzug gefoltert.

Und jetzt versucht die Staatsgewalt ihr Vorgehen nachträglich zu legitimieren und überzieht diejenigen Aktivist*innen, die sie eingesperrt haben, mit völlig übertriebenen Vorwürfen und Strafen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir zusammenhalten und den Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind und auf unsere Unterstützung zählen können. Unsere Solidarität ist die stärkste Waffe gegen ihre Repression.

NPD und AfD – in der Sprache getrennt, in der Sache geeint

NPD und AfD – in der Sprache getrennt, in der Sache geeint

Viele von euch haben es mitbekommen: die AfD hat sich mal wieder entlarvt. Was ist geschehen? Begonnen hat es damit, dass die NPD am 13. Juli ein Bild des Abiturjahrgangs 2017 der Theodor-König-Gesamtschule Duisburg gepostet hat, mit der Parole “Aufwachen, Deutsche!” Dazu noch ein Zeitungsartikel mit den Namen aller Schüler*innen, um gegen die angebliche Überfremdung zu hetzen. So weit so ekelhaft rassistisch – die stolzen Abiturient*innen aber auch die Lehrer*innen sind zurecht empört.

Drei Tage später meldete sich dann auch prompt die AfD zu Wort – und postete auf ihrer Facebookseite das selbe Bild mit dem Kommentar, dass sich anhand diesen Bildes “nicht nur die mangelnde Integration der muslimischen Bevölkerung, sondern auch der gesellschaftliche Wandel insgesamt” offenbare. Als Indiz dafür, dass die jungen Menschen, die gerade ihr Abitur geschafft haben, nicht “integriert” seien, müssen die jungen Frauen mit Hidschāb herhalten. Wie muss denn eine erfolgreiche Integration aussehen, damit auch die AfD zufrieden ist, wenn nicht mal der Erwerb der deutschen Hochschulreife reicht? Wir wollen hier kurz aufzeigen, warum diese Partei und ihre Anhänger nie zufrieden sein werden.

Was auf den ersten Blick lächerlich erscheinen mag, zeigt sehr deutlich das Wesen dieser Partei und anderer neurechter Strömungen, die versuchen sich modern zu geben und sich von den alten Stammtisch- und Springerstiefelnazis abgrenzen wollen. Es zeigt sich – einmal mehr – ganz offen, dass die meisten Inhalte der AfD oder auch der Identitären Bewegung sich eben nicht von denen der NPD oder neonazistischer Kameradschaften unterscheiden, sondern nur etwas anders formuliert werden.

Was die NPD plump “Überfremdung” nennt, versteckt die AfD hinter dem “gesellschaftlichen Wandel” und die Identitäre Bewegung hinter dem “Großen Austausch”. Während bei der NPD der Hinweis auf die Namen reicht um in in ihrer Zielgruppe verstanden zu werden, geht die AfD den Umweg über “die Kultur” und die Religion. Am Ende kommen nicht nur die gleichen widerlichen, menschenverachtenden Kommentare heraus, sondern hinter beidem stecken auch identische Argumentationsmuster:

Argumentationsmuster: Das Volk und seine Feinde

In ihrer Argumentation gehen NPD wie AfD wie folgt vor: Bestimmte Menschengruppen oder Institutionen werden alleine für gesellschaftliche Sachverhalte, Probleme oder Widersprüche verantwortlich gemacht. Seien es die “Asylanten”, die “links-grün-versifften Genderfanatiker”, die “Lügenpresse”, die “Regierung”, der “Feminismus”, die “Juden” oder eben Menschen mit Kopftuch: Sie tragen die alleinige Schuld am empfundenen “Niedergang” Deutschlands. Sind diese erst einmal aus dem Weg geräumt, steht dem Glück des Volkes angeblich nichts mehr im Weg. Da macht es auch keinen Unterschied, ob von “Ausländer raus!” oder von “Remigration jetzt!” gesprochen wird.

Womit wir bei dem zweiten tragenden Konstrukt wären, das sich Altnazis mit “Neuer” Rechte teilen: Dem “Volk”. Dieses ist selbstverständlich das “deutsche Volk”. Wer diesem angehört, entscheidet nicht etwa der Pass, der Geburtsort oder ähnliches – sondern letzendlich dieses ominöse “deutsche Volk” selbst, in Form seiner jeweils angeblich einzig rechtmäßigen Vertretung – der AfD/NPD/Kameradschaft/etc.
Diese Grenzziehungen (“Wir” und “die Anderen”) sind fundamental wichtig für Nazis und Rechte, ihre gesamte Weltanschaung beruht darauf. Und es ist vor allem wichtiger, dass es diese Grenzen überhaupt gibt, als was genau sie wo trennen.

Allgemein zusammengefasst lässt sich erstmal feststellen: Das “deutsche Volk” besteht laut AfD und Co. vor allem aus weißen, in Deutschland geborenen, heterosexuellen, leistungsbereiten, christlichen und braven Bürgern, die zu ihrem Deutschland stehen. Wer dem nicht entspricht, ist zunächst nicht ganz so deutsch, wenn nicht gar “Volksverräter”,“Volksschädling”, “Invasor” oder ähnliches”.

Grenzziehungen verschieben sich, die Logik bleibt gleich

Und ob NPD oder AfD, ob neonazistische Kameradschaft oder Identitäre Bewegung – alle kommen sie zum selben Schluss: Um “Schaden vom Volk abzuhalten”, müssen diejenigen ausgeschlossen werden, die das herbeihalluzinierte “Volk” nicht zu sich zählt, die die eben nicht weiß, in Deutschland geboren, heterosexuell, leistungsbereit, christlich und brav sind und den ihnen zugewiesenen Rollenbildern entsprechen.

Aber es gibt natürlich unterschiedliche Ansichten darüber, wer “dazugehört” und wer nicht. Wo die Grenze zwischen “Wir” und “die Anderen” verläuft, kann sich auch ändern. Grenzziehungen können flexibel eingesetzt werden und unterschiedlich bewertet sein. Wichtig ist deshalb vor allem, den Mechanismus an sich zu verstehen und zu kritisieren, nicht nur seine Inhalte. Denn die Mechanismen selbst sind wichtiger als ihr Inhalt! Durch die Abgrenzung von “den Anderen” wird es einfach, ein “Wir” zu konstruieren. Und man kann diesen “Anderen” die Schuld geben für alles, was als falsch, ungerecht oder schlecht empfunden wird. Deshalb wird es in den Köpfen dieser Menschen immer Grenzen geben (müssen), ganz egal was passiert!

So muss jeder Hinweis darauf, dass die Schüler*innen des TKG Duisburg doch eben “integriert” und leistungsbereit seien, auch ins Leere laufen. Und wenn wir nicht aufpassen, stärken wir durch solche Argumente die Einteilung in diese Kategorien sogar! Was wir ablehnen müssen, sind die Verallgemeinerungen und die Einteilungen in Kategorien an sich!

Doch gerade dieses Beispiel zeigt eben auch, dass nicht nur die Argumentationsmuster von AfD und NPD identisch sind, auch inhaltlich sind sie doch viel näher beieinander, als sie den Anschein erwecken wollen. Denn für die NPD sind die Schüler*innen vor allem “Ausländer” – und für die AfD sind sie eben vor allem “Muslime”. Hauptsache, es gibt “die Anderen“. Dabei, liebe Abiturient*innen der Theodor-König-Gesamtschule Duisburg, seid ihr vor allem Menschen. Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur übrigens! Und an diejenigen, die es nicht geschafft haben: ihr seid deshalb nicht weniger wert, lasst euch das nie einreden!

Aktions- und Infotresen: Solidarität und Herrschaftsfreiheit leben! Ein Bericht aus der “Villa Locumuna”

22. September 2017 | ab 19 Uhr | SYNTOPIA (Gerokstr. 2, 47053 Duisburg)

Wir können auch anders! Eine Veranstaltungsreihe über gesellschaftliche Alternativen und gelebte Utopien.

Im Kommuja-Netzwerk sind rund 30 politische Kommunen im
deutschsprachigen Raum vernetzt. Sie haben ein gemeinsames Selbstverständnis, das auf vier wichtigen Säulen beruht: Gemeinsame Ökonomie, Entscheidungen im Konsens, Soziales und Kommunikation sowie ein linkes Politikverständnis.
Mit dem Leben in der Kommune versuchen die beteiligten Menschen, sich ihren (politischen) Utopien zu nähern, sehen Gemeinschaft an sich jedoch nicht als Selbstzweck. Die Gruppen sind von libertären, emanzipatorischen, solidarischen und ökologischen Ideen und Gedanken inspiriert. Folgende Grundgedanken teilen die Kommunen des Netzwerkes:
Sie wollen ein gleichberechtigtes Miteinander, Machtstrukturen lehnen sie ab. Deshalb wird im Konsens entschieden, viel Wert auf die direkte Kommunikation gesetzt und sich bei allen Gruppenentscheidungen um Transparenz bemüht.
Sie wollen sich vom herrschenden Verrechnungs- und Besitzstandsdenken lösen. Deshalb wirtschaften sie solidarisch, z.B. in dem sie eine gemeinsame Kasse haben, aus der alle nach ihren persönlichen Bedürfnissen entnehmen können.
Die politischen Kommunen wollen die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern. Und damit fangen sie im Hier und Jetzt an.
Die Referentin wohnt in der „Villa Locomuna“ in Kassel und wird berichten, wie diese Konzepte in die Praxis umgesetzt werden – und welche Erfahrungen sie damit bisher gemacht hat.


Eine Übersicht unserer zukünftigen und vergangenen Veranstaltungen findet ihr auf der Unterseite Aktions- und Infotresen.